Fliesen von Geschichte bis Glasur

 

Die Geschichte der Fliese

  1. Die Geschichte der Fliese damals und heute
  2. Die Geschichte der Fliese in Deutschland
  3. Die Geschichte der Fliese in Spanien
  4. Die Geschichte der Fliese in Italien
  5. Die Geschichte der Fliese in Portugal

 

1. Die Geschichte der Fliese damals und heute

Die Geschichte der Fliese ist ein Spiegel der Menschheitsgeschichte, da sie einen Zeitraum von weit mehr als 5000 Jahren umfasst. Keramische Baustoffe sind auch heute noch durch keinen anderen gleichwertigen Stoff zu ersetzten, der Jahrtausende als Wandbekleidung und Bodenbelag überdauert.

Wenn man sich mit der Geschichte der keramischen Beläge beschäftigt, so kann man erkennen, dass man nicht nur ihre überwältigende Bedeutung im Bauwesen, sondern auch Schlüsse auf Gegenwart und die Zukunft ziehen kann.

So unglaublich es auch klingen mag, das Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk ist noch jung. Die Geschichte der Fliese ist dagegen sehr alt.

Wie hat sich das Fliesen, Platten- und Mosaiklegerhandwerk eigentlich entwickelt?

Schon sehr früh in unserer Kulturgeschichte formten die Menschen ihre Gebrauchs-gegenstände aus Ton und nutzten die Kraft des Feuers, um den geformten Ton zu brennen und haltbar zu machen.

Später haben sie Ziegel geformt und daraus ihre Behausungen gebaut. Natürlich sollten dann diese Wohnungen auch ausgeschmückt werden.

Man entdeckte Glasuren für diesen gebrannten Ton und bekleidete mit den farbigen Produkten die rohen Wände. Bei den altorientalischen Hochkulturen im Niltal und in Mesopotanien findet man die ältesten Fliesen.

Im Orient hat man schon in sehr früher Zeit, das heißt schon ca. 2000 v. Chr. die aus luftgetrockneten oder gebrannten Ziegeln erbauten Häuser mit Bodenbelägen aus Ziegelfliesen geschmückt.

Durch die Römer wurden keramische Fußböden nördlich der Alpen bekannt und fanden Verbreitung. Die Anwendungsbereiche waren sehr vielfältig und gingen vom einfachen Belag in untergeordneten Räumen bis zu beheizbaren Bodenbelägen aus Ziegelfliesen in Wohnräumen und Thermen. Mit dem Untergang des römischen Reiches vergaß man den keramischen Bodenbelag mehr und mehr.

In der römischen Zeit waren bereits Kalkmörtel- und Gipsestriche bekannt. Diese wurden später statt der keramischer Beläge in fränkische und karolingische Kirchen eingebracht. Diese Bodenbeläge hielten bis in das hohe Mittelalter.

Der Palast Artaxerxes`II. in Susa (350 v. chr.) ist ein späteres Zeugnis für Fliesendarstellungen im Altertum. Elemente der ägyptischen und der mesopotanischen Kultur vermischen sich hier zu einer pompösen Repräsentation. Die Lehmwände sind geschmückt mit farbig glasierten Reliefs, die von Blütengirlanden eingerahmte Mitglieder der Palastwache darstellen. Diese drei Beispiele sind Bruchstücke aus dem Gesamtkomplex der Architekturzeugnisse des Altertums. Erst nach dem 7. Jahrhundert, unter dem Einfluss des Islam, ist eine kontinuierliche Entwicklung der Keramik- und besonders der Fliesenkultur sichtbar. Und im Laufe der Jahrhunderte hat sich daraus das entwickelt, was wir heute in der europäischen Baukunst und Wohnkultur als Stilmittel und Gestaltungselemente bei der Arbeit kennen.

Die Quelle der europäischen Kultur sind die Länder am Mittelmeer: ausgehend von Griechenland über das Römische Reich, dessen Einfluss sich dann ja über den größten Teil Europas erstreckte. Die Römer haben später ihre Innenräume mit Mosaiken geschmückt, die aber aus Natursteinfragmenten zusammengesetzt waren und für die Entwicklung einer Fliesenkunst keinen Platz ließen. So gelangte die Fliese im Mittelalter nur über Umwege nach Norden.

Langsam aber stetig wurde die Technik der Fliesenherstellung weiterentwickelt und man erfand die unterschiedlichsten Möglichkeiten, Dekor und Glasur auf die Fliesen aufzubringen und haltbar zu machen. In der im 8. Jahrhundert entstandenen islamischen Kultur war durch den Koran die Darstellung von Mensch und Tier verboten. So findet man eine Vielzahl von geometrischen und ornamentalen Mustern, Flechtwerken, Blumen, Blüten und Ranken bis hin zu dekorativen arabischen Schriftzügen.

Um das Jahr 1000 kamen ungefähr die ersten Fußböden aus keramischen Fliesen in Deutschland auf. Über Jahrtausende zierten keramische Fliesen nur Schlösser, Paläste, Kirchen und hochherrschaftliche Villen. Fürsten und Könige, Reiche und Mächtige waren die einzigen, die sich diesen Luxus leisten konnten. Denn vor dem industriellen Zeitalter ist die Herstellung reines Handwerk und deshalb besonders wertvoll.

Inkrustierte Estriche sind aus dem 12. und 13. Jahrhundert bekannt. Zeichnungen ritzte man in den erhärteten Estrich und die Vertiefungen wurden mit gefärbtem Mörtel gefüllt. Der älteste Belag dieser Art ist vermutlich in der Benediktinerkirche von Helmstedt zu finden und stammt aus der Zeit um 1150.

Die Keramik fand neben oder auch mit Naturstein erst seit Begin des 12. Jahrhunderts als Bodenbelag vor allem in Sakralräumen Verwendung. Die Verwendung von keramischem Material als Bodenbeläge ist in engem Zusammenhang mit den Kreuzzügen zu sehen, die kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen zwischen Orient und Abendland brachten.

Die Verwendung von Fliesen durch Mönchs- und Ritterorden drang über die heutigen Gebiete Frankreichs vor allem aber Englands nach Deutschland.

Keramische Böden des hohen Mittelalters zeigen oft eine besondere Beziehung zum Orient, das sie als Ganzes neben- und übereinandergelegten orientalischen Teppichen ähneln. Vielfältige Formate und Fliesen aus unterschiedlich farbig brennenden Tonsorten bilden Flächenmuster, die in der Regel auf Quadrat oder Kreis basieren. Eine Besondere Rolle spielt der Kreis in Sakralräumen.

Besonders in Frankreich und England arbeiten Spezialisten in der Fertigung mittelalterlicher Fliesen. Eine Vielfalt von Dekorationsmöglichkeiten gab es mittels Malhorn bemalte und ornamentierte Bodenfliesen. Die Relieffliese konnte mittels Negativmodel mit eingekerbtem Ornament im Gieß- und Pressverfahren hergestellt werden. Im Kerbschnitt- oder Pressverfahren wurden mit einem Stempel oder mehreren Stempeln Fliesen mit vertiefter Prägung gefertigt. Bei den inkrustierten Fliesen füllten die Keramiker die vertieft geprägten Motive mit andersfarbig brennendem Tonschlicker. Zum Teil wurden diese Motive auch mit Mörtel ausgefüllt.

Anfangs gab es Fliesen hauptsächlich in Blau, Grün und Türkis, später wurden dann auch wärmere Töne, wie z. B. Lackrot, eingesetzt. Die Kaisermoschee in Isfahan aus dem 16. Jahrhundert lässt sich als Gipfel dieser Entwicklung betrachten. Außen und innen mit den kunstvollsten Fliesen ausgestattet, steht sie als beherrschendes Zeugnis für die Freude der Menschen an farbiger Prachtentfaltung. Schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt des Siegeszuges des Islams über die arabische Welt haben die Mauren ihren Fuß auf das europäische Festland gesetzt und den Süden Spaniens erobert.

Die Spanier übernahmen die Techniken der Mauren und legten den Grundstein für die heutige Bedeutung der Fliese. Ihre "Azulejos" (arabisch: al zulaich = kleiner Stein) hatten nun festgelegte Maße und waren auf der ganzen Oberfläche glasiert. In den Produktionsstätten wurden nun keramische Fliesen mit neuen Verfahren hergestellt, die es möglich machten, dass die Farben und Bilder beim Brennen nicht mehr ihre Konturen verloren. Als Hauptumschlagplatz der Fliese galt die Insel Mallorca. Von dort kamen sie nach Italien und erhielten in Anlehnung an ihren Herkunftsort den Namen "Majolika". Die italienischen Handwerker zogen im 16. Jahrhundert in den Norden, wo vor allem ihre Mosaikfliesen in den Niederlanden den größten Anklang fanden. Das Zentrum der europäischen Fliesenkultur fand somit ihren Platz. Man benannten die holländischen Fliesen nach ihrer berühmtesten Produktionsstätte: Delfter Kacheln. In den ersten Jahren waren Sie noch nach italienischem Vorbild bunt bemalt, allerdings mit typisch holländischen Motiven wie Blumentöpfen, Tieren und Szenen aus dem täglichen Leben.

Im 17. Jahrhundert kam dann ein entscheidender Wandel. Das chinesische blauweiße Porzellan wurde bekannt gemacht. Dieses blauweiße Dekor kam groß in Mode und prägte für lange Zeit den Stil der Delfter Ware. Im 18. Jahrhundert vollzog sich dann ein entschiedener Wandel. Die Fliesen wurden zu großformatigen ornamentalen oder figürlichen Bildern zusammengestellt, die zur großflächigen Dekoration ganzer Wände und Räume dienten. Diese Neuheit reichte von farbigen Blumenvasenmustern über Seestücke und chinesischen Motiven bis hin zu biblischen Szenen. Zu dieser Zeit waren Fliesen ein kostbares, aber doch für viele erschwingliches Bauelement mit vorzugsweise dekorativem Anspruch geworden. Die Monopolstellung hatte in dieser Zeit Holland, wobei Lieferungen von holländischen Fliesen auch nach England gingen.

In England hatte sich im Mittelalter eine enorme Fliesenproduktion entwickelt. Dabei handelte es sich ausschließlich um Bodenfliesen, die in der Einlegetechnik hergestellt wurden. Hierbei wurden Muster in die Tonscherben eingeprägt, diese Vertiefungen mit weißer Angussmasse gefüllt und mit durchsichtiger Glasur überzogen. Dabei entstanden durchaus vielfältige Motive. Noch heute kann man auf den Böden der englischen Kathedralen rein ornamentale, florale und heraldische Muster sehen.

Vor 1850 waren Fliesenbekleidungen und Beläge in Deutschland noch kaum verbreitet. Niederländische Fliesen hatten sich in Norddeutschland als Wandbekleidungen - vor allem im Bereich der offenen Herde - allerdings einen Platz gesichert. Die wenigen Flächen aus handgefertigten Fliesen, aus Platten und Mosaik wurden vor allem von Maurern, Stukkateuren und Ofensetzern angesetzt und verlegt. Töpfer und Ofensetzer verarbeiteten häufig Kacheln, von denen die rückseitigen Stege vor dem Ansetzen als Wandbekleidung abgeschlagen wurden. Regional werden noch heute geflieste Räume als "gekachelte" Räume bezeichnet.

Mit der begonnenen industriellen Fertigung von Fliesen um 1850 in England setzte deren Verbreitung ein. Die maschinelle Herstellung von Fliesen in Deutschland begann 1852. Diese wurden damals nicht nur von der Firma Villeroy & Boch "Platte" genannt. Da die Oberflächen der ersten Bodenfliesen von Villeroy & Boch in der Art von Mosaik ausgeführt waren, galten "Mettlacher Mosaikplatten" oder "Mettlacher Platten" über fast ein Jahrhundert als Gattungsbegriffe für Bodenfliesen.

Als die Holländer mit ihren vielfarbigen dekorativen Fliesen an Einfluss gewannen, verlor die Einlegetechnik ihre Bedeutung, und die Engländer übernahmen den holländischen Stil. Die führende Rolle übernahm England im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Keramiker entwickelten neue Wege der Massenherstellung. Die Kosten konnten durch Druck- und Vervielfältigungsverfahren gesenkt werden. Erstmalig wurden Kataloge bedruckt und jedermann konnte sich bedienen. Diese Entwicklung war natürlich nicht nur auf England beschränkt. Wohnräume mit gefliesten Bildern, sogar in Holzvertäfelungen eingearbeitet, gehörten überall zum guten Ton. Es gab kaum ein Haus, dessen Eingangshalle und Treppenhaus nicht mit bunten Fliesenbekleidungen glänzten und Küchen und Bäder wurden phantasievoll ausgestattet.

Diese mit der Industrialisierungswelle nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 einsetzende Verbreitung industriell gefertigten Fliesen erforderte spezialisierte Handwerker für deren Verarbeitung. Bauhandwerker wurden durch Keramische Werke zu Fliesenlegern ausgebildet, um ihre Produktion absetzen zu können. Über eigene Ausstellungen und Materiallager in vielen deutschen Städten sowie über Stützpunkthändler in europäischen Hauptstädten wurde das Fliesenmaterial dem Kunden nahe gebracht. Daher breitete sich die Verwendung von Fliese als Wandbekleidung und Bodenbelag zuerst in den Großstädten aus. Bis zur Jahrhundertwende verkaufte der Baustoffhandel die Fliesen und forderte vom entsprechenden Herstellerwerk Handwerker für das Ansetzen und Verlegen an.

Der aufkommende Jugendstil hat die Fliese als Mittel der Dekoration im Ausgang des 19. und Anfang dieses Jahrhunderts übernommen. Sanft geschwungene Linien und florale Muster in vielfältiger Art und Weise erfand man als Dekor. In der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts nimmt die Freude an dem überladenen Dekor früherer Zeiten rapide ab. Bevorzugt wendet man sich der sachlichen modernen Architektur des Bauhauses mit seinen schlichten Wandverkleidungen mit dezenter Glasur zu. Seit dem haben sich viele verschiedene Moden und Trends schnell abgewechselt.

Um die Jahrhundertwende trifft man dann die ersten Fliesenfachgeschäfte an. Im Rheinland und an der Saar verlief die Gründung von Fliesenfachgeschäften langsamer als in anderen deutschen Gebieten. Das lag daran, dass die dort ansässige keramische Industrie den ortsnahen Verkauf und die Verarbeitung der produzierten Fliesen selbst in der Hand hatte. Ab 1933 verzichtete die keramische Industrie weitgehend darauf, die produzierten Fliesen selbst anzusetzen und zu verlegen.

Die braun-grün-orangen Muster der 60er Jahre wurden von dem neuen Weiß-Trend abgelöst. Plötzlich war es "in", selbst Wohnräume mit klinisch weißer Keramik zu verkleiden. Nach wie vor gibt es von den Herstellern vielfältige Dekorsysteme, die jedoch meist sparsam eingesetzt werden. Die Fliese heute, mehr oder weniger bunt und aussagefreudig, ist hauptsächlich den Räumen vorbehalten, in denen ihre hervorragenden bautechnischen Eigenschaften unentbehrlich sind. Die Moden werden sich weiter ändern und dem Wechsel der Zeit unterliegen, die Fliese wird aber ihren angestammten, festen Platz nie verlieren.

Heutzutage ist der keramische Belag aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Jeder kann sich Fliesen leisten. Und das hat selbstverständlich vor allem damit zu tun, dass hier die aufwendige Handarbeit von Luxusartikeln der maschinellen Fertigung, also industriellen Produktion, von Gebrauchgegenständen gewichen ist. Bei all dem darf man eines jedoch nicht vergessen: Unsere Urahnen haben uns einiges vorgemacht. Denn an der Zusammensetzung der Fliesen und Platten hat sich im Prinzip bis heute nichts geändert.

Für Architekten, Künstler, Designer und Raumgestalter ist die Keramik, die heute wie früher aus den natürlichen Rohstoffen, Ton, Feldspat und Quarz besteht, ein Baustoff mit hervorragenden Eigenschaften. Die Vielfalt an Formen, Oberflächenstrukturen, Größen und Farben eröffnet der Phantasie unbegrenzten Raum. Fliesen geben jedem Raum eine besondere Atmosphäre. Vom sonnigen Gelb über die beruhigenden Pastelltöne, vom kühlen Blau über das aktive Rot, bis zu den dunklen Farben oder dem Spiel mit farbigen oder hell-dunklen Kontrasten. Dabei ist die Kunst des Fliesenlegens nicht nur ein besonders gefragtes Handwerk. Der Fliesenleger wird regelrecht zu einem Wand- und Bodengestalter. Von Schwimmbädern und Badezimmern und von Außenfassaden, Museen und Bahnhöfen. Eine Betonsäule wird durch Fliesen in einen buntglänzenden Zylinder verwandelt. Ein großer Raum wird in verschiedene Ebenen unterteilt. Eine große Wand wird durch ein Kunstwerk aus Fliesen zum Blickfang. Jedem Raum verleihen Fliesen in kleinen oder großen, die runden, rechteckigen oder schmalen Keramikplatten eine ganz besondere Note. Rustikale Fliesen geben einem Wintergarten einen südländischen Charakter. Das Verlegemuster bring Abwechslung in den Raum. Keramik ist nicht nur schön anzusehen. Keramik ist auch ein Material, das dem Trend zum gesunden Wohnen entgegen kommt. Auch die Eigenschaft, temperaturregulierend zu wirken, macht Fliesen so beliebt.

Die Fliese hat somit eine beachtliche Erfolgsgeschichte hinter sich. Kaum ein anders Material konnte einen ähnlichen weltweiten Siegeszug feiern wie die Keramik (vom griechischen Wort für Ton "Keramos"). Die Zivilisationen rund um den Erdball entdeckten schon vor Urzeiten die Nutzungsmöglichkeiten des Gemischs aus verschiedenen in der Natur vorkommenden Tonsorten und Wasser.

Von avantgardistisch bis klassisch, solo oder kombiniert mit anderen Materialien - alles ist möglich, denn Fliesen sind ein Werkstoff mit Geschichte und Zukunft.

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2. Die Geschichte der Fliese in Deutschland

Die Geschichte der deutschen Fliese lässt sich in vier Zeitabschnitte einteilen:

1. Das Mittelalter
2. Die Renaissance
3. Die Periode des Imports niederländischer Fayencen und deren Einfluss auf deutsche Fayencewerkstätten
4. Die Ära frühindustrieller Fertigung von Fliesen.

Der Dreißigjährige Krieg und dessen Nachwirkungen hatte die Herstellung und Verarbeitung von Fliesen enorm beeinträchtigt.

Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts stieg mit dem Import von niederländischen Fliesen die Verwendung von Fayencefliesen Der bayerische Kurfürst Max Emanuel (1662-1726) wurde 1691 vom spanischen König Karl II. auf Empfehlung des englischen Königs Wilhelm III. zum Statthalter der spanischen Niederlande ernannt. Bis 1701 übte es sein Amt aus. Damit kann man seine Vorliebe für niederländische Gepflogenheiten und für die niederländische Fliese erklären. Allerdings wirkten dabei mehrere Faktoren zusammen. Der Zeitgeschmack mit der "porcellaine plättgen" bezeichnet. Zu den vorgenannten Vorzügen niederländischer Fliesen kam noch hinzu, dass die weiße Zinnglasur und die blaue Bemalung den Farben Weiß und Blau der Wittelsbacher Rauten entsprachen.

Max Emanuel kannte die Fliesenarbeiten in und am "Trianon de Porcelaine" in Versailles, denn die Beziehungen zwischen dem bayerischen Hof und Paris waren durch verwandtschaftliche und politische Bande eng geknüpft. Die Fliesen für die beiden Nymphenburger Parkschlösschen Pagodenburg (1716/19) und Badenburg (1718/21) sowie für das Münchener Stadtschloss waren die ersten größeren Importe niederländischer Fliesen.

Kurfürst Max Emanuel übertrug seine Vorliebe für niederländische Fliesen auf seine Söhne, so dass auch in deren Bauten niederländische Fliesen vielfältige Verwendung fanden.

Kurfürst Karl Albrecht (1697-1745), nach seiner Krönung zum Kaiser: Karl VII. Albrecht, ließ für seine Frau Amalia im Nymphenburger Schlosspark 1734/39 die Amalienburg bauen. Dabei wäre zu erwähnen, dass in den beiden anderen Parkburgen ausschließlich Fliesen mit blauer Bemalung verwendet wurden. Die Fliesen der Amalienburg weisen demgegenüber eine Vielfalt von Farben und Darstellungen auf. So z. B. große Blumenvasentableaus, Darstellungen von Damen im Kimono und groteske Ungeheuer in bizarrer chinesischer Landschaft zieren dort die Wände und Fußböden.

Der Erzbischof vom Köln, Kurfürst Clemens August, der auch Inhaber anderer kirchlicher Würden sowie Hochmeister des Deutschen Ritterordens war, ließ von 1729 an Schloss Falkenlust errichten. Der außergewöhnlichste Raum in diesem Schloss ist das Treppenhaus, dessen Vorbild das sehr kleine Stiegenhaus der Pagodenburg im Nymphenburger Schlosspark gewesen sein dürft. Es durften für das Schloss Falkenlust natürlich keine handelsüblichen Fliesen verwendet werden. Die Bemalung der Rotterdamer Fliesen erfolgte nach vorgegebenen Entwürfen. Das wunderschöne Grundmotiv ist ein rhombenförmiges Netz aus Fliesen mit den Rauten des Wittelsbacher Hauswappens.

In Schloss Augustusburg ließ Kurfürst Clemens August die Wandsockel im Sommerappartement mit Fliesen aus Rotterdam bekleiden. Im Sommerspeisesaal und im Badkabinett wurden die Fliesenbekleidungen raumhoch ausgeführt. Auch diese Fliesen wurden in Rotterdam hergestellt. Anderen Schlossbauten, die von Kurfürst Clemens August in Auftrag gegeben wurden, enthalten ebenfalls niederländische Fliesen oder sind durch Bauakten nachgewiesen.

Vielfältige Verwendung fand die Fliese auch in den Regierungszeiten der Wittelsbacher Joseph-Clément de Bavière (1694-1723) und Jean-Théodore (1744-1763) als Erzbischöfe von Lüttich. Dabei konnte man feststellen, dass es sich vor allem für die Adeligen, aber auch für reiche Kaufleute gehörte, in ihren Palästen oder Häusern Fliesenarbeiten durchzuführen.

Die traditionelle Keramikproduktion wurde durch den Import niederländischer Fayencen brach gelegt und gab Anstoß zur Gründung von deutschen Fayencewerkstätten. Fast ausschließlich hatten nur Niederländer oder in den Niederlanden ausgebildete Keramiker das Können, über das zur Gründung und Leitung einer Fayencewerkstatt erforderliche Wissen. Da die so genannten "Delfter Fliesen" Mode waren und zugewanderte Niederländer weiterhin Motive in gewohnter Weise malten, ist es meist äußerst schwierig, zu unterscheiden, ob Fliesen in einer niederländischen oder deutschen Fayencewerkstatt gefertigt und bemalt wurden.

Erst durch Siegfried Stahl wurde die deutsche Fayencefliese, als übernommene niederländische Entwicklung in ihrer Gesamtheit in seinem 1977 erschienenen Buch "Deutsche Fliesen, Fayence-Fliesen des 18. Jahrhunderts" dargestellt. Bis dato gab es unzulängliche Veröffentlichungen zu einzelnen Werkstätten oder speziellen Arbeiten. Als Anhang können Sie sehen, in welchen Städten die Fliesenproduktion nachgewiesen wurde:

Altona (1786-1813)
Ansbach (1709/10-1806, 1807-1839)
Bayreuth (1713/14-1835)
Berlin (1678-1844)
Braunschweig (1707-1807)
Crailsheim (um 1715-1827, Dorotheenthal (1707/15-1806)
Dresden (1708-1784)
Erfurt (1707-1792)
Flörsheim (1765-1914)
Frankfurt (1666-1772)
Hanau am Main (1661-1806)
Hannoversch Münden (1732-1854) Itzehoe (1790-1803)
Kassel (1680-1788)
Kellinghusen (1763-um 1860)
Köthen (1735-1752)
Künersberg (1745-1768)
Lesum (1756-1800)
Ludwigsburg (1758-1824)
Magdeburg (1754-1865)
Nürnberg (1712-um 1840)
Oettingen-Schrattenhofen (1735-um 1830)
Rheinsberg (1762-1866)
Schleswig (1755-1814)
Schrezheim (1752-1852)
Stockelsdorf (1772-1800)
Stralsund (1757-1792)
Wrisbergholzen (1735-1834)
Zerbst (1721-1861).

Neben den importierten Fliesen spielte in einigen fest umgrenzten Gebieten Deutschlands die Irdengutfliesen noch eine Rolle. Werkstätten aus bekannten Töpferzentren vom Niederrhein, von der Schwäbischen Alb, aus Württemberg, Hessen und Thüringen, stellten neben Ofenkacheln, Gebrauchs- und Zierkeramik auch Irdengutfliesen in geringer Anzahl her. In den oben genannten Gebieten wurden Fliesen im Zusammenhang mit einer Feuerstätte angesetzt und teilweise auch als Brandschutz unter Öfen verlegt. Auch wenn die Verbreitung von Irdengutfliesen im 18. Jahrhundert nicht besonders groß war und auf die Nähe zu Töpferzentren beschränkt blieb, so soll die Irdengutfliese doch als eine von vielen Fliesenarten nicht unerwähnt bleiben.

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3. Geschichte der Fliese in Spanien

Seit dem Einfall der Araber 711 unterlag Spanien mehr und mehr islamischer Herrschaft und damit kultureller Einflüsse des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas. Nur wenige besondere Stücke, wie Zier- und Gebrauchskeramiken, sind in den Museen Spaniens aus der Zeit der Omaijaden-Herrscher erhalten. Erst bei Entstehung spanisch-muselmanischer Kunst zur Zeit des Omaijaden-Emirats (756-929) fanden glasierte Keramiken Anwendung in der Architektur. Der Bau der großen Moschee in Cordoba war Höhepunkt der spanisch-muselmanischer Baukunst. Die islamisch Baukunst in Andalusien erreichte Ihren Höhepunkt bei der Errichtung eines Omaijaden-Kalifats im Jahre 929 bis 1031.

Der Architektur von Bagdad, Samarra, Tunis und den Städten Ägyptens eiferten die Bauhandwerker nach. Somit fanden auch Fliesen vermehrt Verwendung. Durch die politische Teilung des Landes (1031-1086) kam nach dem Zerfall des Kalifats von Córdoba in Taifas ein Aufleben der Herstellung und Verwendung von Fliesen in den neuen Zentren Toledo, Zaragoza, Denia, Almería und Sevilla.

Es entwickelten sich eine strenge und nüchterne Architektur unter der Herrschaft von Almoraviden und Almohaden (1088-1232), durch religiös bedingte Ablehnung schöner Künste. Die Kombination unglasierter Ziegel mit wenigen glasierten Fliesen ist ein Stilelement dieser Epoche. Die Fliesenherstellung lebte im Nazari-Reich (1232-1492) wieder auf und erreichte in Herstellung und Verwendung größte Perfektion. Dafür finden sich schöne Beispiele, wie die Fliesenarbeiten in den Räumen von Santo Domingo de Granada, einem ehemaligen Nazari-Palast. Das prächtigste Bauwerk dieser Epoche ist die Alhambra von Granada, das letzte islamische Monument der Iberischen Halbinsel. Besonders sehenswert sind die Fliesen im Saal der zwei Brüder und im Gefangenenturm.
Besonders erwähnenswert sind auch die im maurischen Stil für die neuen christlichen Herrscher gefertigten Fliesenarbeiten, die man sich zum Beispiel im Alcázar oder Palacio Real in Sevilla ansehen kann.

Nach der Rückeroberung des Landes durch christliche Heere, blieb die Fliese als Wandbekleidung sowie als Boden- und Stufenbelag weiterhin wichtiges Bau- und Dekorationselement. Eine Besonderheit stellen die 'soccarat'-Fliesen oder 'azulejos por tabla' dar, die zwischen Balken auf Leisten aufgelegt eindrucksvolle Deckenflächen bilden, wie zum Beispiel im Kreuzgang des Klosters von Santa Clara in Sevilla.

Fliesen in unübertroffener Qualität lieferten die Werkstätten aus Valencia, Manises und Paterna. Besonders hervorzuheben wären auch Fliesen mit Lüsterglasuren, in vielen europäischen Staaten und sogar in dem Vorderen Orient. Die Vorherrschaft im gesamten Mittelmeerraum gewann die Valencianische Keramik. Ein Großteil exportierter Keramik gelangte über Mallorca als Umschlagplatz nach Italien. Die Bezeichnungen 'Majolika' in deutsch, 'mayólika' in spanisch, in italienischer Sprache 'maiolica' und im Sprachgebrauch der Toscana 'majorca' sind von Mallorca, dem spanischen Umschlagplatz von Fliesen, abgeleitet.

Die Tradition der Fliesenherstellung in Sevilla, vor allem im Vorort Triana, und in Toledo wurde ebenfalls nach der Reconquista beibehalten. Die Keramiker entwickelten dort die Dekortechniken "de cuerda seca" und "de cuenca". Bei der Technik 'de cuerda seca' ritzte man das Ornament in die lederharte, noch nicht gebrannte Fliese und füllte die so entstandenen Rillen mit fetthaltiger Masse. Beim Brand verhinderte diese aufkochende Masse das Ineinanderfließen der unterschiedlich eingefärbten Glasuren. Beim zweiten 'de cuenca' oder 'de arista' genannten Verfahren wurden die Abgrenzungen der Farbglasuren durch Profilierung der Fliese erreicht. Auf einer Fliese oder auf einem Rapport von vier Fliesen wiederholen sich hauptsächlich geometrische Muster der arabischen 'alicatados'. Der Mudéjar-Stil, die spanisch-islamische Kunstrichtung nach der Reconquista, in der sich unter christlicher Herrschaft lebende maurische Künstler den Wünschen ihrer Auftraggeber anpassten, spiegelt deutlich die geistige Einstellung dieser Epoche.

Spanien verwandelte sich im Mittelalter in einen Schmelztiegel, in dem so unterschiedliche kulturelle Faktoren aufeinander trafen, wie die reiche spätromanische und westgotische Keramiktradition, das technische Wissen und dekorative Repertoire der ägyptisch-mesopotamischen Kultur sowie die ästhetischen Einflüsse und neuen Werte der christlichen Welt aus Nordeuropa und dem Mittelmeerraum. Dies hatte ein buntgemischtes künstlerisches Panorama zur Folge, das trotz der Verschiedenheit seiner Ursprünge einen überraschend hohen Grad an ästhetischer Einheit erreichte, wie sie auch in anderen Bereichen von Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft des arabisch-christlichen Spaniens (u. a. Mudéjar-Stil) vorherrschte.

Zu den technischen Neuerungen im 11. Jahrhundert, die mit dem Vordringen des arabischen Kulturraums nach Spanien gelangten, sind wegen ihrer weitreichenden Konsequenzen verschiedene keramische Verfahren hervorzuheben, die den Erzeugnissen einen gläsernen Überzug verliehen, der sie wasserdicht machte und zugleich Untergrund und Deckschicht für eine eventuelle Einfärbung oder für das Dekor war. Im einzelnen handelte es sich dabei um transparente oder in grünlichem Ton gefärbte Bleiglasuren, Dekorationen auf weißem Engobe unter transparenter Glasur und Dekorationen mit metallischem Schimmer, die bereits im 11. Jahrhundert realisiert wurden und ursprünglich aus Mesopotamien, Persien sowie Ägypten stammten.

Diese Technik gelangt schon früh auf die Iberische Halbinsel, wo sie zur Entstehung einer bedeutenden Produktionsstätte in Malaga führt. Auch die Dekoration mit goldenem Schimmer fand in der Architektur der arabischen Epoche Anwendung, unter anderem als Außenverkleidung, wie etwa an der halbrunden Kugelhaube, welche das Minarett der Hauptmoschee von Sevilla (12. Jh.) krönte, aber auch an anderen Gebäuden der Stadt. Diese Technik wurde von den Reisenden sehr bestaunt, wovon zum Beispiel El Idrisi bei seinem Aufenthalt in Calatayud im Jahr 1154 Zeugnis ablegt.

Die ersten Zeugnisse von in der Architektur verwendeten glasierten Fliesen reichen nicht viel weiter zurück als bis Ende des 12. Jahrhunderts. Die Spezialisten auf dem Gebiet neigen dazu, die verwendeten Techniken und ihre weit verbreitete Anwendung in der Architektur mit Persien in Verbindung zu bringen, wobei man annimmt, das aufgrund der Invasion Persiens durch die Truppen Dschingis-Khans nach Al Andalus (Andalusien) eingewanderte Töpferfamilien einen Einfluss auf die Entwicklung der Fliesen im 14. und 15. Jahrhundert ausgeübt haben könnten.
Die Verwendung von Bodenfliesen und mit Fliesen verkleideten Wandsockeln breitete sich im Süden Spaniens schnell aus. Bereits vor 1240 weist lbn Said auf die in Andalusien hergestellte Keramik hin, die für Bodenbeläge in den Häusern Verwendung fand und "a-zala,iyi" genannt wurde. Diesem Chronisten zufolge "besaßen die Fliesen eine große Vielfalt an Farben und traten an die Stelle des im Morgenland zur Verschönerung der Häuser eingesetzten farbigen Marmors". Mit einer ständig zunehmenden Komplexität ihrer Entwürfe, mit verfeinerten geometrischen Formen und mit einer immer virtuoseren Verarbeitung spiegeln die Fliesen auf eindeutige Weise die allgemeine Entwicklung der kulturellen Elemente wider. Davon legen unter anderem verschiedene mit Fliesen verzierte Räume der Alhambra in Granada Zeugnis ab.

Im architektonischen Bereich wurde bei der Fliesenverkleidung im 14. und 15. Jahrhundert ein ungewöhnliches hohes Niveau vor allem bei ihrer Verwendung als Bodenbelag oder Wandsockel erreicht.

Eine hohe Spezialisierung der Arbeitskräfte, die für diese und andere Dekorationsarbeiten nötig war, traf man auch in vielen anderen Sektoren der Wirtschaft Granadas des 14. und 15. Jahrhunderts an. Diese zehrte zum einem von dem aus dem Sudan stammenden Gold, fand aber zudem eine Einnahmequelle von unschätzbarem Wert im Export ihres Images als Wahrzeichen der hohen Lebensqualität einer höfischen, aristokratischen und gebildeten Gesellschaft mit einem ausgeprägten Sinn für den Komfort.

Der Keramiker und Keramikmaler Francesco Niculoso kam um 1500 aus Pisa nach Sevilla und lieferte im Jahre 1504 Fliesen für den königlichen Palast, den Alcazar von Sevilla und signierte die Altarbekleidung mit 'NICULOSO FRANCISCO ITALIANO ME FECIT'. Weitere Fliesenbilder schuf er zum Beispiel für die Klöster Santa María de Tendudía (Sierra Morena, bei der Stadt Calera de León), Santa Paula (Sevilla) und die Kirche Santa Anna (Triana). Ein von Francesco Niculoso signiertes Fliesenbild rettete man aus den Trümmern eines Palastes in Lissabon, nachdem die Stadt durch ein Erdbeben 1755 zerstört wurde. Dieses Tableau befindet sich heute im Rijksmuseum in Amsterdam. Auch Niculosos Sohn Juan Batista schuf Fliesenbilder. Zwei Arbeiten von ihm befinden sich im Gemeente-Museum, in Den Haag.

Aus der Blütezeit polychromer spanischer Fliesenmalerei von ca. 1500 bis ca. 1650 sind vor allem die folgenden Fliesenmaler zu erwähnen: Roque Hernández, Alonso García, Christóbal de Augusta und Oliva de Toledo.

Die Gegend um Valencia war bereits unter arabischer Herrschaft ein Brennpunkt der Keramikproduktion. Seine geschickte Handelspolitik war die beste Grundlage für den Vertrieb der Keramikprodukte über den Hafen von Valencia, dem damals aktivsten des Mittelmeers, in die christlichen und moslemischen Staaten des Mittelmeerraums.

Später fanden die Keramikprodukte aus Manises großen Anklang bei den Dogen von Venedig. Fliesen aus Manises und Paterna wurden ebenfalls in Bauwerken in Ligurien verwendet und sogar bis nach Ägypten, Syrien und die Türkei verschifft.

Aber der bedeutendste Abnehmer war sicherlich der Rest des damaligen Italiens. In den Jahren 1445-57 ließ Alfons der Großmütige den Boden seines Palastes Castel Nuovo in Neapel mit Fliesen aus Manises auslegen, die mit seinem Wappen dekoriert waren. Manises versorgte selbst den Vatikan mit Fliesen, die dessen Räumlichkeiten im 15. Jahrhundert zierten.

Die Zurückeroberung von Gebieten durch christliche Truppen im 15. Jahrhundert bewirkte, dass das Produktionszentrum für Dekorationen mit metallischem Schimmer von Malaga nach Manises verlegt wurde, womit eine über Jahrhunderte hinweg andauernde, fruchtbare Beziehung zwischen dem damals noch arabischen Andalusien und der bereits wieder christlichen ostspanischen Mittelmeerküste entstand, wo heute noch der Großteil der spanischen Fliesenherstellung ansässig ist.

Als gegen 1500 die Produktionsstätten in Manises und Granada einen Einbruch erlitten, setzten sich andere Städte, vor allem Sevilla und Toledo, an die Spitze der Fliesenproduktion. In diesen Städten begann man mit der Herstellung von Produkten mit einer neuartigen Technik: Die Dekorierung des Hauptmotivs auf einem quadratischen Bisquit, was nicht nur die Verlegung erheblich vereinfachte, sondern auch zum Aufkommen der ersten Anklänge einer Serienproduktion beitrug. Diese Technik hatte einen einschlagenden Erfolg und in nur wenigen Jahren überschwemmten die mit ihrer Hilfe hergestellten Produkte die Märkte Spaniens, Europas und Amerikas. Für letzteren benötigte man vor allem billigere, exportfähige Produkte und insbesondere Fliesen, die leicht zu verlegen waren. Diesen Gesichtspunkt meisterten die Manufakturen aus Manises ab Beginn des 14. Jahrhunderts mit großem wirtschaftlichem Erfolg.
Die Fliesen aus Sevilla gelangten unter anderem nach Großbritannien, verschönerten die Räume des Papstes Leo X. (1513-152l) und die Engelsburg in Rom, sowie bis heute erhaltene Paläste in Neapel und Genua.

Politische und wirtschaftliche Beziehung führten Mitte des 16. Jahrhunderts zwischen Spanien und den spanischen Niederlanden zu einer Einwanderung flämischer Keramiker und zur Übernahme flämischer Stilelemente in die Bemalung von Fliesen. Diese Bemalung mittels eingefärbter Glasuren auf einer den Scherben abdeckenden Lage Zinnglasur löste die Dekoration von Fliesen im Mudéjar-Stil ab.
In der Zeit des Barock war die Region Valencia das Zentrum der Fliesenproduktion. Heute findet man noch in vielen valenzianischen Kirchen und öffentlichen Gebäuden wie zum Beispiel in der Lonja de la Seda (Seidenbörse) wunderschöne Fliesenwände und Fliesenböden aus dieser Zeit. Zum Teil sind Ornamental dekorierte Flächen in historische, biblische und mythologische Darstellungen integriert. In vielen Orten wurden großflächige Heiligenbilder (paneles callejeros) an Außenwänden angesetzt.

Bald fand die Fliese ihren Weg in die Küchen. In Bekleidungen aus Ornamentfliesen sind oft auf Tableaus Personen dargestellt, die einer Küchenarbeit nachgehen (panel de cocina). Es finden sich aber auch auf Fliesen gemalt Küchengeräte, Obst, Gemüse und Haustiere.
Fliesen aus Katalonien waren bis zum 16. Jahrhundert weitgehend an Fliesen aus Valencia oder Talavera orientiert. Erst im 17. Jahrhundert fand man in Katalonien eine eigene Stilrichtung. Außer großen religiösen Wandbildern wurden Ornamente auf Fliesen in vielfältiger Art gemalt. Eine Besonderheit stellen die katalonischen 'azulejos de oficios' (Handwerkerfliesen) dar.

Unter dem Bourbonen Carlos III. (1731-1735 Herzog von Parma, 1723-1759 König von Neapel und Sizilien) breitete sich französischer Einfluss in Spanien aus. König Carlos III. ordnete die Errichtung von Fayencemanufakturen in Alcora (bei Castellón) und in Madrid an. Die Bemalung der Fliesen aus diesen Werkstätten zeichnet sich durch sehr genaue Zeichnung der Ornamente und zarte Pastellfarben aus.

Im 17. und 18. Jahrhundert kam es zu großen Umwälzungen, die eine häufige Verlegung der Produktionsstätten bewirkten. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchläuft die Fliesenherstellung dann eine vorindustrielle Etappe, in der die ersten gedruckten Kataloge erscheinen und der Grundstein für die heute übliche Promotion der Produkte gelegt wurde, unter anderem auf der Weltausstellung von 1888 in Barcelona.

Die Fliesenproduktion expandierte im 19. Jahrhundert durch die Einführung vorindustrieller Techniken (z.B. Schablonenmalerei). Somit wurden Fliesen für breite Bevölkerungsschichten bezahlbar. Wie wir wissen, war und ist ein Haus ohne Fliesen in Spanien kaum denkbar.

An der Schwelle zum 21. Jahrhundert haben die spanischen Keramikerzeugnisse dank des technischen Fortschritts die erstklassige Qualität erreicht, die sie heute auf den Weltmärkten auszeichnet.

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4. Die Geschichte der Fliesen in Italien

Die frühesten Nachweise glasierter und dekorierter italienischer Fliesen sind die von den Kirchenstufen und dem Boden der Basilica di San Francesco in Assisi. Sie dürften schon während der ersten Bauphase der Kirche (1228-1253) angesetzt und verlegt worden sein.

In der Zeit um 1350 müssen die diagonal angesetzten Fliesen an der Außenwand der Apsis von San Martino in Lucca stammen. Die Fliesen zieren Phantasiegeschöpfe, groteske Menschenköpfe, das Pisaner Kreuz und weiße Amphoren.

1427 wurde womöglich der älteste erhaltene keramische Bodenbelag aus glasierten und dekorierten italienischen Fliesen in der Cappella Caracciolo del Sole der Kirche San Giovanni a Carbonara in Neapel verlegt. Diese Fliesen schmücken unter anderem Köpfe im Profil, heraldische Motive, Palmetten, stilisierte Blumen und Früchte.

Aus Neapel stammend und ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert zugehörig, sind die Fliesenböden in einer Kapelle der Kirche San Pietro a Maiella und der Cappella Pontano.

In der ewigen Stadt Rom kann man schöne Zeugnisse von Fliesenböden des 15. Jahrhunderts bewundern. In der Engelsburg, deren Mauern einigen Päpsten für längere Zeit Schutz boten, sind vor allem die Fliesen mit den Wappen mehrerer Päpste besonders sehenswert. Die ältesten Exemplare wurden von Papst Niccolò in der Zeit 1447-1450 in Auftrag gegeben. In der Kapelle Leos X. liegen Fliesen, die 1515 wahrscheinlich in der Werkstatt des Andrea della Robbia gefertigt wurden.

Der Fliesenboden in der Bologneser Kirche San Giacomo Maggiore, den Papst Johannes II. zwischen 1486 und 1494 in seiner Hauskapelle verlegen ließ, wird ebenfalls der Werkstatt Andrea della Robbias zugeschrieben.

In der von Vaselli errichteten Kapelle San Sebastiano der Chisa San Petronio in Bologna findet man einen Fliesenboden aus dem Jahre 1487. 1494 kamen gemäß schriftlicher Aufzeichnungen im Archiv der Gonzaga im Castello Vecchio der Isabella d'Este, Herzogin von Mantua, dreizehn Kisten mit Fliesen an, die im Jahr zuvor in der Werkstatt des de' Fedeli in Pesaro gefertigt wurden. Isabella d'Este ließ neben dem Wappen ihres Mannes, fünf Motive malen. Vier dieser Motive sind mit Devisen in deutsch, französisch, spanisch und griechisch versehen; jenen Sprachen, die an ihrem Hof gepflegt wurden.

Die wenigen erhaltenen wunderschönen Fliesen, die man in nur ausgewählten Museen wie Mantua, Mailand und London finden kann, haben trotz ihres Alters und mancher Beschädigung den opalisierenden Schimmer ihrer Glasur erhalten.

Etwa aus gleicher Zeit stammen Fliesen mit Rosetten und Blumen, die in den vatikanischen Gemächern der Borgia angesetzt wurden. Erstaunlicher Weise sind noch Fliesen im Originalzustand an der Wand unterhalb des Kamins erhalten.

Im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts wurden Fliesenböden vor allem in Cafaggiolo, Deruta , Faenza, Florenz, Gubbio, Pesaro, Siena und ab Mitte des 16. Jahrhunderts in Caltagirone, Castelli und Savona gefertigt. Stiche von Andrea Mantegna, Jacopo de' Barbari, Marcantonio Raimondi, Pellegrino da San Daniele aber auch von Albrecht Dürer und Martin Schongauer beeinflussten die Dekorationen.

Ein von der Familie Lando 1510 in Faenza für ihre Kapelle in Venedigs Kirche San Sebastiano in Auftrag gegebener Fliesenboden liegt heute noch in einigermaßen gutem Zustand. Die gängigsten Motive wie z.B. Fische, Masken, Musikinstrumente und Waffen sind in Gelb, Grün, Orange, Türkis und Violett gemalt.

Im Londoner Victoria & Albert Museum befinden sich Reste reich verzierter Fliesenböden z.B. aus dem Dom zu Siena und vom 1509 für den Petrucci-Palast in Siena gefertigten Boden.
Im Palazzo Vecchio zu Florenz liegen heute noch in der Kapelle, die Papst Leo X. ausbauen ließ, Teilbereiche des zwischen 1513 und 1521 verlegten Fliesenbodens. Die Fliesen sind mit Arabesken im Relief dekoriert.

In der Renaissance waren die Bodenbeläge nicht alle glasiert. Wesentlich widerstandsfähigere unglasierte Fliesenböden sind zwar weniger auffallend aber nicht weniger interessant. Durch unterschiedliche Maße und Formen kann man hier eine enorme Wirkung erzielen. Zum Teil sind die Böden auch zweifarbig (rot und gelb). Auch glasierte und dekorierte Fliesen wurden in einigen Böden eingearbeitet, wie zum Beispiel in dem Palazzo Venezia und der Kirche Santa Maria del Popolo in Rom, im Palazzo Vecchio zu Florenz sowie im herzoglichen Palast von Urbino.

Unglasierte Fliesen mit Einlagen andersfarbiger Tone haben die Wirkung von Intarsienarbeiten. Böden dieser Art finden sich im Palazzo Pitti zu Florenz, in Roms Engelsburg (z.B. Apollosaal und Bibliothek), dem Palazzo Ruspoli in Rom und den vatikanischen Borgiasälen.

Nicht unerwähnt sollen dabei die Fliesenbeläge vom Pisaner Francisco Niculoso gemalten Fliesentableaus oder die unterschiedlichsten Votivtafeln bleiben.

Viel seltener wurden die Fliesenbekleidungen im 17. Jahrhundert. Man kann aber sagen, dass sie trotz dessen nicht ganz aus der Mode kamen. In Sizilien wurde z.B. von Giuseppe Maxarato für die Kapelle San Giorgio dei Genovesi der Klosterkirche San Francesco in Sciacca ein Lambris von 1,25 x 7,00 m geschaffen. Von ursprünglich 376 Fliesen sind noch 301 Fliesen erhalten. Als die Kapelle 1952 abgebrochen wurde kam der Lambris mit sieben Szenen aus dem Alten Testament in die Kunstakademie von Sciacca.

In den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts arbeiteten gerade die Fliesenwerkstätten in Caltagirone (bei Catania), Sciacca und Burgio auf der Mittelmeerinsel Sizilien besonders produktiv. Die Werkstätten in Burgio waren spezialisiert auf Votivtafeln und Tableaus mit Darstellungen der Madonna und von in Sizilien verehrter Heiligen. Für Sciacca sind die "mattoni di censo" typisch. Es sind Tafeln, die an die Hauswände angebracht wurden und bekundeten, an welche Kirche oder Kloster Geld entrichtet wurde. Im Museo dell'Istituto d'Arte per la Ceramica von Caltagirone sind besonders schöne Beispiele zu sehen. Die größte Übersicht der Keramikproduktion Siziliens bietet das Museo Diocesano von Palermo. Trotz der großen einheimischen Fliesenproduktion wurden noch große Mengen aus anderen Mittelmeergebieten eingeführt. Bevorzugter Einkaufsplatz für hochwertige Fliesen war die spanische Stadt Valencia. Auch heute noch nennt man Fliesen mit durchscheinender farbiger Glasur auf Sizilien im Volksmund "mattoni di Valenza".

An der Schwelle des 18. Jahrhunderts ist die Keramikproduktion in den Abruzzen von höherem Niveau als in Sizilien. Berühmt war der Töpferort Castelli. Francesco Grue gab den Fliesen aus Castelli einen eigenen, von Faenza, Urbino und Gubbio ornamental und farblich abweichenden, Stil.

In der Zeit des Barock wurden die Majolikaböden und -wände immer seltener.
Benedetto Bocchi schuf 1640 einen wunderschönen Boden für den "Sala della Stufa" im Florentiner Palazzo Pitti.

Fliesenböden mit geometrischen Motiven oder Grotesken wurden noch hier und da für Herrenhäuser geschaffen. Schöne Beispiele sind im Palazzo von Castell'Alfero (Asti) und im Palazzo Ferniani in Faenza zu sehen. Reste eines Sieneser Bodens befinden sich im Victoria & Albert Museum in London.

Nepal entwickeltes sich besonders im 18. Jahrhundert zum Zentrum der Majolikaproduktion. Den besten Überblick über die neapolitanische Majolikaproduktion gibt die Sammlung des Ezio De Felice im Palazzo di Donn'Anna zu Neapel. Ein in den Jahren 1727-36 für die Gerolomini-Bibliothek zu Neapel ausgeführter Bodenbelag besteht aus quadratischen Fliesen vermittelt aber den Eindruck vieler reichgeschwungener Medallions. Beeindruckend ist auch der Majolikaboden in der Pfarrkirche von Schiazzano/ Massalubrense.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts waren nicht nur die Majolikaböden aus Neapel berühmt, sondern auch die aufwendig bemalten Wandbekleidungen aus den Fliesenmanufakturen Neapels. Das reichste und großzügigste Beispiel ist der Kreuzgang des Chiostro delle Clarisse in Neapel. Die Neapolitaner Keramiker Donato und Giuseppe Massa schufen in den Jahren 1741-42 diese Dekoration. Bemalte Fliesen zieren die Mauern, Bänke, Säulen und Brunnen. Allein vierundsechzig Landschaftsbilder mit Schäferszenen, Maskenfesten und mythologischen Szenen findet man auf den keramischen Lehnen der Bänke an den vier Seiten des Kreuzgangs.

Eine andere Arbeit eines Neapolitaners, die auch sehr ergreifend ist, ist der Boden in der Kirche in Anacapri. Er wurde 1761 von Leonardo Chiaiese nach einer Vorlage des Francesco Solimena geschaffen. In überwältigender Art und Weise zeigt dieser Fliesenboden Pflanzen und Tiere des Gartens Eden und die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies.

Weitere Zentren der Fliesenproduktion befanden sich neben Neapel in Bassano, Lodi, Mailand, Savona und Venedig.

Niederländische und englische Einflüsse verdrängten auch in Italien ab Mitte des 18. Jahrhunderts immer mehr die einheimischen Stilarten und Produktionen.
So trennte sich zum Beispiel Rubati -der beste Mitarbeiter der Mailänder Werkstatt des Felice Clerici- um Imitationen nach englischen Vorbildern zu produzieren.
In der Werkstatt des Felice Clerici wurden die in den Niederlanden erfolgreichen Serien, wie z.B. Reiterfliesen, nach gleichen Kupferstichvorlagen gemalt.

Ein weiterer Grund für den Rückgand der italienischen Fliesenproduktion war die Gründung von Porzellanmanufakturen und die zunehmende Chinamode. So wurden von den Brüdern Giuseppe und Stefano Gricci aus Neapel Porzellanwände im Modetrend der Zeit für den kleinen Salon des Palazzo Reale in Portici und die Königspaläste in Madrid und Aranjuez geschaffen. Die Porzellanwände des Palazzo Reale in Portici befinden sich seit 1860 im Museum von Capodimonte bei Neapel.

Am Ende des 18. Jahrhunderts verspürte man den letzten Atemzug des Aufschwungs der Fliesenproduktion auf Sizilien. Aus dieser Zeit stammen die Böden der Kirchen Santissimo Salvatore und del Rosario in Caltagirone.

Bis zum Beginn der frühindustriellen Fertigung von Wand- und Bodenfliesen stagnierte die italienische Fliesenproduktion.

5. Die Geschichte der Fliese in Portugal

Nach wie vor wird seit dem 15. Jahrhundert die Tradition der Fliesenkunst des "Azulejo" gepflegt. Dabei wurden von den Arabern viele Muster überliefert. Zu einem späteren Zeitpunkt importierte Portugal dann seine Ware aus Spanien, Italien und den Niederlanden.

Die portugiesische Fliesenkunst entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Künstler orientierten sich an den Motiven aus der Geschichte ihres Landes und Innen- und Außenräume wurden dementsprechend großzügig geschmückt. Nirgendwo sonst kann man in einem anderen Land Europas diese Darstellungsweise häufiger anfinden. Portugal ist gekennzeichnet von einer zeitlosen Fliesenkunst. Auch sehr moderne Künstler bedienen sich dieser Technik. Der "Azulejo" ist Teil des portugiesischen Alltags und nicht wegzudenken aus den Stadtbildern, die die portugiesische Kultur und die Lebensart widerspiegeln.


Glasur
Auch die Glasur ist wichtig bei einer Fliese. Diese gibt ihr einen schönen Glanzfilm und erhöht somit die Leuchtkraft der Farbe, die Nuancen und das Dekor und gibt gleichzeitig Härte und Wasserundurchdringlichkeit.


Glasierte Steinzeugfliese
Glasierte Steinzeugfliesen sollten überall dort eingesetzt werden, wo Fliesenböden mit Straßenschuhen begangen werden. Diese werden in vielfachen Farbe und Format passend abgestimmt als Ergänzung zu Steingutfliesen angeboten.

Die Steinzeugfliesen stellen somit die zweite große Gruppe der feinkeramischen Fliesen dar. Sie besteht ebenfalls aus feinkörnigen und kristallinen Scherben. Im Unterschied zu den Steingutfliesen wurden die Steinzeugliesen bei Temperaturen um 1200°C dicht gesintert. Durch dieses Verfahren wird nicht nur eine größere Härte und Beanspruchbarkeit gewonnen, sondern auch die Wasseraufnahme wird drastisch herabgesetzt. Normalerweise liegt diese zwischen 1,5 bis höchstens 2,5 Prozent. Die Steinzeugfliesen sind daher frostbeständig und somit für Verlegung im Außenbereich passend.

Glasierte Steinzeugfliesen sind in unterschiedlichen Varianten erhältlich, wie z- B. mit und ohne Dekor, glatt und reliefiert, matt oder glänzend glasiert. Für den Außenbereich sollte man Mattglasuren wählen, da diese bei Nässe eine bessere Standsicherheit als glänzende gewährleisten. Zudem schützt eine Glasur die Fliesenoberfläche dauerhaft gegen Fleckbildner. Leider ist die Glasur nicht so widerstandsfähig gegen mechanische und chemische Beanspruchungen wie die Oberfläche unglasierter Steinzeugfliesen.

Bei unterschiedlichen Glasurtypen können sich auch unterschiedliche Abriebgruppen ergeben. Entsprechend der derzeit gültigen DIN EN 176 unterscheidet man bei glasierten Steinzeugfliesen fünf Abriebgruppen. Diese charakterisieren grundlegende Angaben über die Beanspruchbarkeit.

Grundfliese
Die Grundfliese bildet in den meisten Fällen eine quadratische oder rechteckige Fliese zu der es eine Reihe an passenden Formstücken gibt, so z.b. Sockelleisten, Stufenfliesen, Setzstufen, Bordüren, uvm.