Fliesenverlegung auf kritischen Untergründen

Die Verlegung von Fliesen, Platten und Natursteinen in kritischen Bereichen stellt höchste Anforderungen an die verwendeten Verlegematerialien. Um Schäden und kostspielige Reklamationen bei der Verlegung auf Balkonen und Terrassen, aber auch auf jungen Zementestrichen und ähnlichen Untergründen zu vermeiden, lohnt es sich, ganz auf Sicherheit zu gehen. Diese Sicherheit bieten vor allem zweikomponentige, zementäre, kunststoffvergütete Systeme. Die Verlegung von keramischen Belägen auf Balkonen und Terrassen zählt nach wie vor zu den anspruchsvollsten Aufgaben, sowohl was die Verarbeitung als auch die Verlegematerialien betrifft. Deshalb scheuen Fliesenleger trotz der heute vorhandenen technischen Möglichkeiten die Verlegung von Fliesen und Platten im Außenbereich. Der Grund liegt auf der Hand: negative Erfahrungen mit dem Verlegen von Außenbelägen in der Vergangenheit. Man befürchtet Schäden am Belag vor Ablauf der Gewährleistungsfristen. Diese sind mittlerweile auf mindestens vier Jahre (VOB 4 Jahre und BGB 5 Jahre) gestiegen. Um dieser Gefahr zu entgehen, rieten Fliesenleger ihren Kunden oftmals bereits im Vorfeld von einer Verbund- Verlegung ab und empfahlen eine lose Verlegung. Dabei ist die schadensfreie Verlegung im Außenbereich heute auch unter relativ kritischen Rahmenbedingungen möglich. Dafür sorgen neue und weiterentwickelte Technologien bei den Verlegematerialien.


Die häufigsten Schadensfälle bei der Verlegung von Außenbelägen:

• Ausblühung an der Oberfläche der Fugen

• Abscherungen mit daraus resultierenden Hohllagen und in der Folge davon Haftverbundschaden

• Auflösen/Zersetzen des Klebemörtels

• Ausplatzen der zementären Fuge und extreme Rissbildungen

 

Vermeidung von Schäden

Unsere Erfahrungen zeigen, dass 85 % späterer Schäden allein auf die Verlegung bei ungünstigen Witterungsverhältnissen zurückzuführen sind. Insbesondere die Verlegung bei niedrigen Temperaturen führt zu Schäden; denn normal härtende Mörtelsysteme – auch hochwertige „C2“-Kleber mit erhöhten Haftzugswerten (> 1 N/mm2) nach DIN EN 12004 – brauchen ihre Zeit, um zu erhärten. Kommt es also zu Störungen durch Umgebungsbedingungen, kann das Mörtelsystem nicht optimal härten – die Festigkeit leidet. Fällt zum Beispiel während der Aushärtungsphase Regen auf die frisch verlegte Fläche, werden die in flüssiger oder trockener Form beigemischten Dispersionen ausgespült. Die Folge: Der Haftverbund zur Keramik und zum Untergrund wird gestört. Das Ergebnis sind lose Fliesen und/oder nicht durchgehärtete Mörtelsysteme.Sehr oft wird auch der Einfluss niedriger Temperaturen auf den Abbindevorgang unterschätzt. So benötigen sowohl Dünnbett- als auch Mittelbettmörtel bei einer an der Baustelle herrschenden Temperatur von 5–8 °C eine erheblich längere Abbindezeit als bei einer Temperatur von 20–25 °C. Wurde abends noch bis 17 Uhr verlegt, ist die optimale Festigkeit des Mörtelbetts am nächsten Morgen noch nicht erreicht. Dies trifft besonders dann zu, wenn dicke Kleberbett-Schichten eingebaut wurden. Häufig sind 9–11 kg Dünnbettmörtel auf einigen Drainage- und Entkopplungssystemen konstruktionsbedingt keine Seltenheit. Derart dicke Kleberbett-Schichten – verlegt mit einem normal härtenden Dünnbettmörtel - können nach ca. 14 Stunden noch nicht fest und stabil sein. Wird diese noch weiche Verlegung dann zu früh begangen, zum Beispiel um Sockel oder Fugarbeiten auszufuhren, wird die Verbundhaftung gestört. Die Platten können sich lösen.

 

Schadensursache Frost

In der Praxis wird die Ursache für die oben beschriebenen Schäden oft im verwendeten Dünnbettmörtel gesucht. Eine zwar einfache, aber nicht immer zutreffende Erklärung. Denn nicht nur das frühe Begehen des Belages oder Regen kommen als Schadensursache in Betracht. Auch Nachtfroste spielen bei der Ursachenforschung eine Rolle. Bei Frost dehnt sich das Wasser im zementären System bis zum 1,6-fachen aus. Die sich bildenden Eiskristalle zerstören den Mörtel mechanisch. Speziell bei Terminbaustellen werden, um Bauverzögerungen aufzuholen, häufig herkömmliche Schnellkleber eingesetzt, mit denen die verlegten Beläge nach 3 bis 4 Stunden begeh- und verfugbar sind. Dabei bleibt allerdings unberücksichtigt, dass dies erst bei Temperaturen ab ca. 23 °C gilt. Temperaturen um die 5 °C verlängern den Abbindevorgang dagegen um die drei- bis vierfache Zeit (ca. 12 bis 16 Stunden). Einer Belastung durch Frost hält das Mörtelbett überhaupt nicht stand, da Schnellkleber zu viel nicht gebundenes Wasser im System enthalten. Bei einer Frostbelastung wird das Gefüge des Klebers zerstört. Die Lösung des Problems liegt im Einsatz eines zweikomponentigen Hochleistungs-Schnellklebers, wie beispielsweise dem Sopro megaFlex S2 turbo. Dieser neue flexible Fließbettkleber hat eine Verarbeitungszeit von ca. 45 Minuten bei einer Verarbeitungstemperatur von nur 5 °C und hält bereits nach 6 bis 7 Stunden der Frost-Tau-Belastung stand. Dabei werden in kurzer Zeit Haftfestigkeiten > 1,0 N/mm2 erreicht. Der Sopro megaFlex S2 turbo ist einfach anzumischen und schließt durch das fertige Zweikomponenten-System mögliche Mischfehler auf der Baustelle aus, da dem zementären Pulver eine vorgemischte Flüssigdispersion beigegeben wird. Beim Mischvorgang entsteht daher ein extrem sahniger, homogener Fließbettmörtel.

Das Sopro megaFlex-S2-System wird in zwei Erhärtungssystemen angeboten. Der schnelle, hochfeste megaFlex S2 turbo und der normal erhärtende megaFlex S2. Beide Zweikomponenten-Systeme gewährleisten eine außerordentlich hohe Verbundhaftung zum Untergrund und zur Keramik. Der Fließbettmörtel Sopro megaFlex S2 und megaFlex S2 turbo bietet besonders bei der Verlegung von Feinsteinzeugfliesen im Außenbereich ein Höchstmaß an dauerhafter Verbundhaftung und somit genügend Sicherheitsreserven bei den zu erwartenden Belastungen. Entscheidend für eine gute Verbundhaftung ist bei der Verlegung von Feinsteinzeugfliesen – nicht nur im Außenbereich – eine von Trennmitteln und haftungsmindernden Bestandteilen freie Rückseite. Bodenfliesen

Kritische Anwendungen im Innenbereich

Nicht nur der Außen-, auch der Innenbereich birgt ein erhebliches Gefahrenpotenzial bei der Verlegung auf kritischen Untergründen. Ein typisches Beispiel ist die Verlegung von großformatigen, zur Verwölbung neigenden Fliesen auf Fußbodenheizungen. Vor allem die zu frühe Inbetriebnahme der beheizten Bodenflächen, die mit einkomponentigen Systemen verlegt sind, kann zu Schäden führen. Denn die zu frühe Inbetriebnahme sorgt für eine extrem hohe Belastung auf das noch nicht vollständig durchgehärtete Dünnbettmörtel-System. Folge dieser Belastung kann das Abscheren der Fliesen sein. Ausschlaggebend für eine sichere Verlegung ist auch hier eine extrem gute und vollflächige Verbundhaftung. Dafür geeignet sind nur in ausreichender Schichtdicke aufgebrachte und mit hoher Flexibilität ausgestattete Kleber. Beide Sopro megaFlex-S2-Systeme können dabei zum Einsatz kommen. Soll jedoch – wie heute auf vielen Baustellen an der Tagesordnung – die Fußbodenheizung schon nach kurzer Zeit in Betrieb genommen werden, ist das bei einer Wartezeit von drei Tagen nur mit Sopro megaFlex S2 turbo ohne Bedenken möglich. Ein weiteres typisches Einsatzgebiet der Sopro megaFlex-S2-Systeme auf kritischen Untergründen sind Objekte mit großen Schaufensterfronten. Derartige Bereiche in Autohäusern und Einkaufszentren unterliegen – in dem der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzten Bereich – häufig einer Temperaturbelastung von 80 °C. Etwas weiter entfernt vom Fenster werden dagegen nur noch 20 °C gemessen. Unterschiedliche Temperaturen wirken hier unterschiedlich lang und intensiv auf die Fläche. Aus diesem Grund werden häufig aufwändige Entkopplungssysteme eingesetzt. Vermeiden lassen sich diese mit den Sopro megaFlex-S2-Systemen. Denn diese bieten auch ohne kostenintensive Entkopplung die Möglichkeit der schadensfreien Verlegung. Auch bei Gussasphalt-Flächen, die hohen Temperaturbelastungen ausgesetzt sind – wie beispielsweise in Wintergärten – kommen einkomponentige Klebersysteme sehr schnell an ihre Grenzen. Die notwendige Kompensation von großen Temperaturschwankungen können zementäre Systeme, die nur nach S1 der DIN EN 12002 zugelassen sind, nicht leisten. Anders die Sopro megaFlex-S2-Systeme. Durch seine hohe Flexibilität und die daraus resultierende Zulassung nach DIN EN 12002 mit einer Durchbiegung > 5 mm mit Prüfzeugnissen hält der Sopro megaFlex S2 auch den oben genannten Belastungen in Wintergärten mit Gussasphalt stand. Zusätzlich zeichnet sich der zweikomponentige hochvergütete Kleber durch seine hohe Verbundhaftung zum Untergrund und zu den Fliesen aus. Standardmäßig wird der Sopro megaFlex S2 bei Gussasphalt ohne Grundierung eingesetzt. Darüber hinaus eignet sich das Sopro megaFlex-S2-System speziell auch zur schadensfreien Verlegung auf

• jungem Zementestrich innerhalb von 5 Tagen nach Einbau des Estrichs mit Keramik oder Feinsteinzeug,

• jungen Betonböden, da hier eine Verlegung schon nach vier Wochen ohne Einbau eines Entkopplungs-Systems möglich ist. Hierdurch entsteht ein enormer Zeitvorteil im Vergleich zu anderen

Klebersystemen, die eine Verlegung erst nach drei Monaten ermöglichen. Auf Grund dieser Leistungsmerkmale der Sopro S2-Technologie sind auch Terminbaustellen mit engem Zeitfenster kein Hindernis für die schadensfreie Verlegung. Unterstützt wird der Verlegeprofi dabei von der Sopro Anwendungstechnik – nicht nur während der Ausführungsphase, sondern schon bei der Planung der Objekte. Als Auftragshilfe bewährt haben sich auch die im Vorfeld bei der Angebotsabgabe beigelegten Verlegeempfehlungen der Sopro Bauchemie für das jeweilige Objekt mit den genannten Produkten und den technischen Merkblättern. Durch die Auflistung und Erläuterung der entsprechenden Verlegematerialien fühlt sich insbesondere der private Bauherr optimal informiert. Und der Handwerksbetrieb kann seine Sachkunde, sein Qualitätsbewusstsein und seine Gewährleistung unter Beweis stellen.


Quelle: Sopro Bauchemie
Autor: Rainer Stroh

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.