Grossformatige Platten sicher verlegt

Beeindruckend ist die Vielfalt großformatiger Verlegematerialien - insbesondere, was ihre Kantenlängen und vor allem ihre Dicken betreffen. Die größten Platten sind bis zu 3 m² groß und die dünnsten lediglich 3,5 mm dick. Das wirft Fragen auf, nicht nur bezüglich des Einsatzorts solcher Platten, also ob an der Wand oder auf dem Boden, sondern auch in Bezug auf das entsprechende Handling auf der Baustelle. Fragen, über die in Fachkreisen heftig diskutiert wird. Entsprechende DIN- und ZDB-Merkblatt-Entwürfe liegen bereits vor und machen die Runde. Aber auch erste Schäden in Form von Hohllagen, Brüchen, etc. werden bekannt. Um diesem neuen Szenario gerecht zu werden, stellt Sopro Bauchemie spezielle Verlegeprodukte und -systeme zur Verfügung.

Umdenken notwendig

Aber „Butter bei die Fische“ - wie man so schön sagt! Was bedeutet eigentlich die Verlegung von großformatigen Fliesen für den Verlegebetrieb? Nur Risiko oder aber auch sinnvolle Spezialisierung und erfolgreiche Baustellen? Wir sind der Meinung, dass unter Beachtung entsprechender Punkte Letzteres gilt! Eine Neuorientierung muss jedoch beim Verlegebetrieb stattfinden. Ein Umdenken sowohl in der Planung und Kalkulation, als auch bei den Arbeitsabläufen. Nur dann kann er den Auftrag, großformatige Platten zu verlegen, erfolgreich abschließen. Im Detail sollten die Arbeiten dabei wie folgt ablaufen: Ist das Belagsmaterial ausgesucht, so ist dieses zunächst auf Maßhaltigkeit, mögliche Verformung und Rechtwinkligkeit zu überprüfen. Sind die Platten verwölbt, eignen sich diese nicht für eine Halb- oder Drittelverbands-Verlegung. Der Bauherr muss dabei in einem Beratungsgespräch offen darüber informiert werden, dass sich verschiedene Verlegemuster mit solchen Materialen nicht umsetzen lassen. Um hier Klarheit zu schaffen, kann es sinnvoll sein, die Platten in der gewünschten Form auszulegen und anschließend mit einer Streiflichtbestrahlung zu bewerten. Zusätzlich ist beim Keramikhersteller eine Bestätigung darüber einzuholen, ob die ausgewählte Ware auch für den gewünschten Einsatzort zugelassen ist (Verkehrslasten etc.). Denn gerade bei sehr dünnen und sehr großen Formaten gibt es diesbezüglich Einschränkungen.

Spezielles Handling erforderlich

Auch beim Handling gibt es einige Unterschiede. Dies bedeutet für den Verarbeiter beispielsweise, dass er die großformatige Belagsware wie »rohe Eier« behandeln muss, damit diese im Verlegeprozess nicht zerbricht. Entsprechend sollte die Baustelleneinrichtung vorbereitet sein. Vorhanden sein sollten stets: Ein großer Tisch zum Schneiden und Einmessen, Glasschneider, Bohrkronen für Durchdringungen, eine Schnur bzw. ein Draht, um das Mörtelbett einer verlegten Platte zu durchtrennen, falls man diese nochmal hochnehmen muss, Sauggriffe, etc.. Kalkuliert man als Verleger eine großformatige Fliesenverlegung, ist davon auszugehen, dass in der Regel die vorgefundenen Untergründe eine zusätzliche Ausgleichsspachtelung benötigen. Dies bedeutet, selbst wenn die Vorgewerke ihre Leistung gemäß DIN 18202 innerhalb der zulässigen Ebenheitstoleranzen mit den erhöhten Anforderungen ausgeführt haben, ist eine Großformatverlegung noch nicht möglich. Darauf weist auch der neue Entwurf der DIN 18157 ausdrücklich hin.

Untergründe fachgerecht vorbereiten

Um eine planebene, gefällelose Bodenfläche mit einem relativ geringen Aufwand zu erstellen, ist Sopro FS 15 plus (FS 15 plus 550), ein selbstverlaufender, spannungsarmer, schnellerhärtender Nivellierspachtel, die ideale Lösung. Sind Gefälleflächen oder Wände auszugleichen, ist Sopro Ausgleichs- MörtelTrass (AMT 468) oder Sopro SpachtelMörtel leicht (SP 466) einzusetzen. Im Bodenbereich sind es in der Regel unterschiedliche Estrichkonstruktionen, auf welche der Belag verlegt wird. Hier gilt es im Vorfeld, die Belegereife des Estrichs zu ermitteln. Dazu ist es notwendig, die Restfeuchte des Estrichs mit einem CM-Gerät zu ermitteln. Bei Zementestrichen ist eine Restfeuchte von 2 % und bei calciumsulfatgebundenen Estrichen von 0,5 % (unbeheizt) bzw. 0,3 % (beheizt) einzuhalten. Weiterhin sind die Oberflächenfestigkeit, die Feldgrößen, die Bewegungsfugenausbildung etc. aufzunehmen, auszuwerten und festzuhalten. Erst dann kann entschieden werden, ob eine Verlegung bedenkenlos möglich ist. Sollen großformatige Platten auf einem calciumsulfatgebundenen Estrich verlegt werden, ist besondere Vorsicht geboten. Calciumsulfatgebundene Estriche haben die Eigenschaft, in Zusammenhang mit einwandernder Feuchtigkeit an Festigkeit zu verlieren. Hohllagenbildungen durch mögliche temperaturbedingte Längenänderungen können die Folge sein. Die großformatige Platte, in der Regel Feinsteinzeug, mit einer in der Regel sehr schmalen Fuge verlegt, verhindert, dass das Überschusswasser des Verlegemörtels schnell genug aus der Konstruktion entweichen kann. Dementsprechend sollte ab einem Format über 40 x 40 cm in der Beratung und Kalkulation umgedacht werden. Denn ab diesem Format ist der calciumsulfatgebundene Estrich mit einer wasserfreien, auf Reaktionsharzbasis aufgebauten Grundierung (Sopro MultiGrund (MGR 637)) vorzubehandeln. Sopro MultiGrund (MGR 637) ist eine einkomponentige, leicht zu verarbeitende Reaktionsharzgrundierung, welche nach der Applikation mit Quarzsand im Überschuss abgestreut wird. Nach der Erhärtung (ca. 30 - 40 Minuten) wird der nicht eingebundene Sand aufgenommen und die Verlegung kann beginnen. Alle anderen saugenden Untergründe sind mit Sopro Grundierung (GD 749) und alle nichtsaugenden Untergründe mit Sopro Haftprimer S (HPS 673) vorzubehandeln.

Auf den richtigen Verlegemörtel achten

Sind die Flächen - wie oben beschrieben - geebnet bzw. grundiert, steht der Großformatverlegung nichts mehr im Wege. Prinzipiell ist darauf zu achten, dass die großformatige Platte rückseitig mit dem Verlegemörtel abgespachtelt wird. Achtung: Je gröber die Rückseite der Platte strukturiert ist, desto wichtiger ist dieser Arbeitsgang! Denn die Nichtbeachtung dieses Arbeitsschrittes fördert die Einschließung von Luftpolstern und die Bildung von Hohlräumen, was in der Nutzungsphase zu Mängeln und Schäden führen wird. Für die Verlegung an der Wand sind für die Verklebung - auf Grund ihrer hohen Standfestigkeit - Sopro´s No.1 Flexkleber (No. 1 400) oder Sopro FKM XL (FKM XL 444) zu verwenden. Am Boden kommen der leichtgängige Sopro VarioFlex® XL (VF XL 413) Großformat-Flexkleber oder Sopro megaFlex S2 (MEG 665) zum Einsatz. Sollen die Bodenflächen schnell belastbar sein, sind die Platten mit Sopro VarioFlex® schnell (VF 419) zu verlegen. Entscheidet sich der Bauherr für eine nicht keramische Platte, die hydraulisch gebunden ist (Betonwerkstein) oder eine kunstharzgebundene Platte, muss der Verleger besonders aufmerksam sein. Das alkalische Mörtelwasser, welches während des Verlegeprozesses relativ schnell rückseitig in diese Platten einwandert, kann zu einem Quelleffekt führen, was zu Verschlüsselungsphänomenen der Platten führt. Diese Belagsmaterialien sind im Vorfeld auf ihre Tauglichkeit im Hinblick auf die Verlegung mit normalem Dünnbettmörtel zu prüfen. Im anwendungstechnischen Labor der Sopro Bauchemie übernehmen wir gerne für Sie diese kostenfreie Untersuchung und geben Ihnen anschließend eine gezielte und sichere Verlegeempfehlung. In vielen Fällen hat sich der sehr schnell erhärtende SoproDur® HF-K FlexKleber hochfest (HF-K 420) als Klebervariante bestens bewährt. Sollen großformatige Natursteinplatten verlegt werden, ist Sopro MarmorFlexKleber (MFK 446) - alternativ Sopro MittelDickbettMörtel grau und weiß (MDM 888/885) zu verwenden. Sollen sehr dicke, schwere Großformatplatten (Naturwerkstein, Betonwerkstein, etc.) verlegt werden, ist in der Regel eine Mörtelbettdicke auf der Unterkonstruktion von 10-25 mm erforderlich, um alle Platten planeben verlegen zu können. Für diese Verlegung ist der Sopro MittelDickbettMörtel (MDM) optimal einsetzbar. Beim MittelDickbettMörtel (MDM) handelt es sich um einen schnellerhärtenden Mitteldickbettmörtel (aufgebaut auf Grau- bzw. Weißzementbasis), welcher beginnend ab einer 10er-Zahnung bis zu einer Mörtelaufbaustärke von ca. 25/30 mm mit einer sehr hohen Standfestigkeit (schwere Platte) eingesetzt und verwendet werden kann.

Mindestfugenbreiten nicht unterschreiten

Ergänzend ist anzumerken, dass sich die keramischen Großformatplatten der neuen Generation nicht im Dickbett verlegen lassen. Dies bedeutet aber auch, dass für die erfolgreiche Verlegung solcher Bodenfliesen im Dünnbettverfahren eine klar definierte Unterkonstruktion mit Biege- und Druckfestigkeiten gegeben sein muss. Sind die Flächen starken Temperaturschwankungen ausgesetzt, gilt es, die sonst üblichen Feldgrößen für Estriche mit starren Belägen zu verkleinern. Um die Großformatplatten mit ihren Toleranzen auch zur optischen Zufriedenheit der Bauherren verlegen zu können, sollten Mindestfugenbreiten von 3 mm nicht unterschritten werden. Für die Verfugung der entsprechenden Beläge sind die speziellen Fugenmaterialen Sopro Saphir® PerlFuge, Sopro Brillant® PerlFuge oder Sopro FlexFuge FL einzusetzen.

Autor: Mario Sommer

Dipl.- Bauingenieur

Leiter der Anwendungstechnik und

der Objektberatung der Sopro

Bauchemie GmbH, Wiesbaden.

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